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Naturwaldreservat Twingi

In Zusammenarbeit mit den beiden Forstrevieren Schattenseite und Aletsch Unnergoms, dem Landschaftspark Binntal und den beiden Burgergemeinden Binn und Grengiols konnte eine Vereinbarung mit der Dienststelle für Wald und Landschaft (DWL) des Kantons Wallis unterzeichnet werden, welche die Schaffung eines Naturwaldreservats in der Twingischlucht bezweckt.

Das Reservat erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 438 ha, wobei 339 ha auf das Territorium der Burgergemeinde Grengiols und knapp 99 ha auf dasjenige der Burgergemeinde Binn fallen. Die Dauer der Vereinbarung beträgt 50 Jahre und ist seit anfangs 2011 in Kraft.

Mit dem Naturwaldreservat Twingi wird das Ziel verfolgt, die natürliche Entwicklung der standorttypischen Waldgesellschaften sowie die ursprünglichen Waldlandschaften der Schweiz zu fördern und die Twingischlucht als eindrücklichen und strukturreichen Naturraum zu erhalten.

Charakteristik der Twingischlucht

Die Twingischlucht präsentiert sich als einzigartige Naturlandschaft, die vom Menschen weitgehend unberührt ist. Der einzige wahrnehmbare menschliche Einfluss ist die Twingistrasse, die Teil der einst bedeutenden Handelsroute über den Albrunpass war. Ansonsten ist der Raum in einem äusserst natürlichen Zustand.

Auf Grund des sehr steilen Geländes konnte sich an den Hanglagen der Twingischlucht nie eine landwirtschaftliche Nutzung etablieren. Die Hanglagen sind wenig produktiv und schwierig zu nutzen resp. zu pflegen, da eine forstwirtschaftliche Erschliessung fehlt. Zahlreiche Stellen sind sogar ungangbar. Die forstwirtschaftliche Nutzung wurde vor rund 40 Jahren aufgegeben. Bauten und Infrastrukturanlagen sind keine vorhanden. Dementsprechend ist die Naturnähe des ausgeschiedenen Perimeters besonders hoch.

Die Struktur- und Artenvielfalt ist beachtlich. Das fein gegliederte Hangrelief, die stark wechselnde Exposition, der felsige Boden, die Wasseraufstösse und kleinen Hangfliessgewässer gliedern den durch die Sonneneinstrahlung warmen und trockenen Hang in eine Vielzahl abwechslungsreicher Biotope. Die mit Föhren bewachsenen, sehr trockenen Südosthänge beherbergen viele seltene Pflanzen, wie zum Beispiel die Levkoje. Immer wieder sind, vor allem entlang der Wasserläufe, Flächen mit feuchter Vegetation eingestreut. Die Vegetationslinien verlaufen oftmals sehr scharf, sodass sich ein vielfältiges und fein gegliedertes Mosaik an Lebensräumen etablieren konnte.

Der Vegetationsbestand steht auf Fels- und Hangschutt, der stellenweise extrem trocken oder eben ziemlich feucht ist. Die Felswand ist ausserordentlich wild und zerklüftet, von tiefen Gräben durchfurcht. Mehrere Partien sind senkrecht. An zahlreichen Stellen sind sehr schöne Felsensteppen direkt neben Quellaustritten zu finden.

Waldtypus resp. -gesellschaften

Bestandesbildende Hauptbaumarten sind Föhren und Fichten. Sekundär sind an einigen Stellen Lärchen zu verzeichnen. Die Twingischlucht ist der bedeutendste und ausgeprägteste Standort für Föhren in der Gemeinde Binn resp. im Perimeter des Landschaftsparks Binntal. Einzig hier lassen die Umweltfaktoren die Bestandesbildung zu. In den Abteilungen Fluhwand, Mittelberg und Nackenwald, welche alle südexponiert sind, ist die Föhre lediglich als eingestreuter Einzelbaum zu verzeichnen. In den tieferen Lagen, insbesondere entlang der wasserführenden Runsen und Gräben, sind stellenweise Grünerlen- und Weidenbestände zu verzeichnen.

Wildtiere

Auf der ‚Binnerseite’ resp. im ausgeschiedenen Naturwaldreservatsperimeter sind vor allem Gems-, Rot- und Rehwild zu verzeichnen. Im Winter hält sich vereinzelt Steinwild auf (je nach Schneemenge). Kleinere Wildtiere wie z.B. Fuchs und Feldhase kommen ebenfalls vor. Die Tiere können vor allem vom Frühjahr bis im Herbst beobachtet und auch bejagt werden.

Auf Grund des sehr steilen und unwegsamen Geländes gibt es nur sehr wenige Jäger, die dieses Gebiet zum Jagen aufsuchen.

Die durch das Wild verursachten Schäden am Wald sind eher gering. Es kommt vor, dass das Wild in das angrenzende Gebiet des Verbauungsprojekts ‚Ronigbach’ eindringt und an dem gepflanzten Vegetationsbestand Verbiss- und Fegeschäden verursacht. Diese Schäden halten sich jedoch in Grenzen.